Wilhelm Miller

Chronik des Ingenieurbüro Miller

Die Geschichte des Ingenieurbüros Miller beginnt im Jahre 1863, in dem der spätere Oberbaurat und Regierungsbaumeister Wilhelm Miller in Krumbach/Schwaben geboren wurde.
Als einer der ersten Absolventen im Jahre 1887 der damals neu gegründeten Technischen Hochschule München erhielt er nach Zwischenstationen bei der königl. bayerischen Staatseisenbahn und Professor an der Industrieschule in Augsburg 1907 einen Ruf für die Fächer Mathematik und Vermessungskunde an das neu errichtete kgl. bay. Technikum Nürnberg, die heutige Simon - Ohm Fachhochschule.

Um das Jahr 1902 begann Wilhelm Miller mit der freiberuflichen Tätigkeit als Civilingenieur. Dies war der Anfang von Miller's Ingenieurbüro in der Rudolphstraße im Stadtteil Wöhrd. Das breite Spektrum seines Wissens und seine Tätigkeit reichte vom Brücken- über den Straßenbau zum Schwerpunkt des Büros, dem Eisenbahnbau.
Bereits damals jedoch - also vor und nach dem ersten Weltkrieg wurden zahlreiche Entwürfe für Kanalisationen von Städten und Gemeinden in nahezu ganz Bayern erstellt. Als angesehener Hochschullehrer wurde Wilhelm Miller in zahlreiche Gremien als Berater gerufen. Seine militärische Laufbahn endete als Major der Reserve bei den bayerischen Eisenbahnpionieren mit dem Ende des ersten Weltkriegs.
Professor Wilhelm Miller starb im Jahre 1926. Sein Sohn, Ingenieur Hanns Miller, trat die Nachfolge seines Vaters an.

 

Hanns Miller

Hanns Miller, geb. 1894 in Nürnberg, studierte nach 4-jähriger französischer Kriegsgefangenschaft am Georg - Simon - Ohm Polytechnikum Bauingenieurwesen. Von allen Millers hatte er die schwierigste Zeit des Büros zu überstehen. Eine zunächst sehr gute Auftragslage - vor allem durch kommunale Auftraggeber auf dem Gebiet der Stadtentwässerung - entwickelte sich während der Weltwirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre katastrophal und führte beinahe zur Aufgabe des Büros. Erst durch die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung der dreißiger Jahre konnte auch das Ingenieurbüro Miller, wie es nun hieß, sich wieder erholen. Neue Büroräume wurden am Keßlerplatz, ebenfalls Stadtteil Wöhrd, bezogen. Die Schwerpunkte der Tätigkeit waren nach wie vor die Stadtentwässerung, aber auch zunehmend der Eisenbahnbau. Bis zum zweiten Weltkrieg konnten 10 Mitarbeiter - alles Ingenieure - beschäftigt werden. Infolge der guten Entwicklung des Büros mußten 1938 bereits erweiterte Büroräume in der Treitschkestraße, ST Jobst, bezogen werden.

Kriegsbedingt ging jedoch die Beschäftigung immer weiter zurück, so daß 1945/46 Hanns Miller nunmehr alleine, nur noch wenige Aufträge zu bearbeiten hatte. Nach kurzer Besserung der Geschäftslage bis 1948 wurden dann nach der Währungsreform alle Aufträge - größtenteils telegraphisch - gekündigt, so daß Hanns Miller zum zweitenmal in seinem Leben ohne Aufträge und ohne Mitarbeiter dastand. Mit Kleinstaufträgen konnte er sich und seine Familie über Wasser halten, bis 1949 langsam auch wieder größere Aufträge von Kommunen, vor allem für Kanalisationsplanungen, ins Haus kamen. Stellvertretend seien hier die Städte Zeil am Main, Gerolzhofen, Bayreuth und Hof/Saale genannt. Ab diesem Zeitpunkt konnten auch zunehmend wieder neue Mitarbeiter eingestellt werden. 1952 wurde die erste mechanische Kläranlage in Form eines Emscherbeckens in Herzogenaurach geplant und gebaut. Weitere mechanische Kläranlagen folgten. Die Zahl der Mitarbeiter betrug Mitte der 50er Jahre 7. Das Ing. Büro Miller konnte zu dieser Zeit ca. 30 Städte und Gemeinden zu seinen Auftraggebern zählen. Darunter z.B. Buchloe, Bad Wörishofen, Marktredwitz seit über 40 Jahren.

 

Dipl.-Ing. Otto Miller

1955 trat Dipl.-Ing. Otto Miller (Sohn von Hanns Miller) in das Büro ein. 1927 in Nürnberg geboren, studierte er nach dem Kriegsdienst und Abitur an den TH's München und Karlsruhe Bauingenieurwesen. Am Lehrstuhl für Wasserbau und Hydraulik, Professor Böß, war Otto Miller 1/2 Jahr als Hilfsassistent tätig. Infolge der stärker werdenden Nachfrage der kommunalen Auftraggeber auf dem Gebiet der Stadtentwässerung wurde das Büro systematisch vergrößert. Im Jahre 1959 wurde ein Neubau, ebenfalls in der Treitschkestraße, notwendig.

Erste mechanisch - biologische Kläranlagen wurden gebaut, so z.B. Tropfkörperanlagen in Mitterteich, Wiesau und Schwarzenbach/Wald. Eine der ersten Belebtschlammanlagen in Bayern entstand in Herzogenaurach. In den 60iger Jahren stieg die Zahl der Mitarbeiter auf ca. 20, die der kommunalen Auftraggeber auf über 40. Mehrere größere Belebtschlammanlagen entstanden zu dieser Zeit in Lauf/Pegnitz, Buchloe, Ebermannstadt. Dem Ingenieurbüro Miller gelang es auch, einige größere Abwasserverbände als Auftraggeber zu gewinnen, z.B. Schnaittachtal, Selbitztal.
Infolge der guten Auftragslage konnte die Zahl der Mitarbeiter stetig vergrößert werden, so daß 1972 wieder ein Büroneubau in der Hintermayrstraße - ST Schoppershof - notwendig wurde.

In den 70er Jahren konnten zahlreiche neue Auftraggeber gewonnen werden, z.B. die Stadt Nürnberg als bis dahin und auch heute noch mit Abstand größter Auftraggeber des Ingenieurbüros Miller.
Hanns Miller starb 1975 nach einem langen, beschwerlichen, aber auch erfolgreichen Leben als Beratender Ingenieur.

Otto Miller führte das Büro als Alleininhaber weiter. 1977 konnte das 75-jährige Bestehen des Ing. Büros Miller gefeiert werden. Die Zahl der Mitarbeiter hatte sich auf über 40 erhöht. Zahlreiche kleine, mittlere und große Kläranlagen wurden geplant und gebaut. Die Zahl der insgesamt vom Ingenieurbüro Miller geplanten und gebauten Kläranlagen betrug mittlerweile über 50.

 

Dipl.-Ing. Michael Miller

1982 trat Dipl.-Ing. Michael Miller - Sohn von Otto Miller - in das Büro ein, die vierte Generation in direkter Reihenfolge Vater-Sohn. Michael Miller, geboren 1954 in Nürnberg, studierte Bauingenieurwesen an der TU München. Nach zweijähriger Praxis konnte er sich am International Institute for Hydraulic and Environmental Engineering in Delft/NL in einem einjährigen Vertieferstudium weiterbilden und mit Diplom in Sanitary Engineering abschließen.

In den 80iger Jahren wurden durch neue Richtlinien die Einleitungsbedingungen für Abwasser in den Vorfluter erheblich verschärft. Dies hatte zur Folge, daß zahlreiche Kläranlagen umgerüstet, neu gebaut oder erweitert werden mußten. Neue Techniken und Verfahrensweisen kamen zvm Einsatz. U.a. entstanden das Klärwerk (KW) 2 der Stadt Nürnberg völlig neu und umfangreiche Erweiterungsbauten im KW 1 der Stadt Nürnberg. Die Zahl der Mitarbeiter stieg auf über 60. In diese Zeit fiel auch die Einführung der EDV im Ingenieurbüro Miller für alle Arbeitsgebiete einschl. CAD. 1987 wurde Otto Miller 60 Jahre alt, Michael Miller gleichzeitig Mitinhaber des Büros.

In den 90er Jahren gelang es dem Ing. Büro Miller die bisher größten Einzelbauwerke in seiner Geschichte zu verwirklichen: Einlaufbereich, Abwasserfilter, Schlammstapel- und Eindickbehälter sowie das Regenüberlaufbecken "Südlicher Entlastungssammler" im Klärwerk 1 der Stadt Nürnberg. Otto Miller zog sich aus der Geschäftsleitung des Ingenieurbüros Miller zurück.

Die Zahl der Mitarbeiter stieg auf über 70 an. Es zeichnete sich ein immer größer werdender Platzmangel ab, so dass ganze Abteilungen ausgelagert werden mussten. Aus diesem Grunde wurden Planungen für ein neues Bürogebäude in der Kieslingstraße - im Nürnberger Stadtteil Erlenstegen - angestellt, die mit dem Bezug des neuen Gebäudes zum Jahreswechsel 1998/99 in die Tat umgesetzt wurden.

Die Organisation im Ingenieurbüro Miller bleibt in der über Jahre hinweg bewährten Form mit der Aufteilung auf vier Abteilungen: "Abwasser, Wasser, Straße, GIS", "Kläranlagen", "Verfahren" und "Bau". Bei den Abteilungsleitern wurde der in den 90er Jahren begonnene Generationswechsel abgeschlossen. Mit Kommunen wie Bamberg, Erlangen, Fürth und Schweinfurt konnte die starke Position in Nordbayern noch ausgebaut werden.  Ende 2006 schied Otto Miller aus dem Ingenieurbüro Miller aus. Michael Miller führt seitdem das Büro als Alleininhaber.

Heute hat das Ingenieurbüro Miller weit über 100 Kläranlagen geplant und gebaut. In der Kanalplanungsabteilung sind für weit über 30 Kommunen hydrodynamische Netzberechnungen incl. Schmutzfrachtberechnung mit teilweise erheblichen Einsparungen infolge nicht notwendiger Kanalauswechslungen durchgeführt worden. Neben dem Schwerpunkt Abwasser werden verstärkt auch Leistungen für Wasserversorgung, Straßenbau, Hochwasserschutzmaßnahmen und Energieversorgung angeboten. Die Zahl der Mitarbeiter beträgt 41, darunter 18 Ingenieure aus den verschiedensten Fachgebieten. Erfreulicherweise konnte der Kreis der Auftraggeber nicht nur gehalten, sondern auf über 70 erweitert werden.