Generalentwässerungsplan

Was beinhaltet der Bearbeitungsumfang eines Generalentwässerungsplanes (GEP)?

Diese Frage wird oftmals sehr unterschiedlich beantwortet. Die einen erwarten vom GEP eine Sanierungsplanung für die gesamte Abwasseranlage bis zum letzten Hausanschluss, die anderen sehen im GEP eine Rahmenplanung, in der übergeordnete Vorgaben für notwendige Detailplanungen festgelegt werden.

Eine Definition für den Bearbeitungsumfang eines GEP ist im ATV Merkblatt M 101 "Planung von Entwässerungsanlagen" enthalten. Der GEP wird hier als übergeordneter Rahmenplan für größere Einzugsgebiete verstanden. Er kann jedoch in Details über eine Vorplanung hinausgehen und Teile einer Entwurfsplanung beinhalten.

Der Wert eines GEP hängt entscheidend von der Genauigkeit der Grundlagenermittlung ab. Um sinnvoll Grundlagen für einen GEP zu erhalten, sind nach heutigen Anforderungen mindestens folgende Bearbeitungsschritte erforderlich:

  • Aufbau eines digitalen Abwasserkatasters im Rahmen eines GEO-Informationssystemes durch vermessungstechnische Erfassung aller Kanäle und Sonderbauwerke.
  • Ermittlung des hydraulischen Sanierungsbedarfes in den Kanälen durch eine hydrodynamische Kanalnetzberechnung.
  • Ermittlung des baulichen Sanierungsbedarfes in den Kanälen durch Auswertung einerSichtprüfung.
  • Ermittlung des Sanierungsbedarfes Mischwasser-/Regenwasserbehandlung, gegebenenfalls durch eine Schmutzfrachtberechnung.

Aufbauend auf die detaillierte Grundlagenermittlung kann eine optimierte Sanierungsplanung im Rahmen des GEP erfolgen. Hierbei können die unterschiedlichen Belange des Sanierungsbedarfes in Variantenvergleichen überlagert werden und die insgesamt wirtschaftlichste Lösung kann erarbeitet werden.

Der GEP sollte für den gesamten Bearbeitungsbereich ein in sich stimmiges, langfristiges Gesamtkonzept aufzeigen. Die Planungstiefes eines Entwurfes sollte aber nur in Teilbereichen erreicht werden, in denen mit einer zeitnahen Bauausführung zu rechnen ist. Für Maßnahmen, die erst längerfristig baulich umgesetzt werden sollen, ist die Planungstiefe einer Vorplanung oder Studie ausreichend. Ã?nderungen in den Grundlagen und Randbedingungen können dann noch zeitnah vor der Bauausführung in einem Entwurf berücksichtigt werden.

Der Bearbeitungsumfang und die Planungstiefe eines GEP können auch in Abhängigkeit von den unterschiedlichen Bauteilen einer Kanalisation definiert werden. Beispielsweise kann für die Bauteile der Mischwasserbehandlung im Rahmen des GEP eine Entwurfsplanung durchgeführt werden, während Maßnahmen zur haltungsweisen Kanalsanierung nur als Konzept zur langfristigen, abschnittsweisen Umsetzung ausgearbeitet werden. Die Grundlagenermittlung muss aber immer konsequent für den gesamten Bearbeitungsbereich durchgeführt werden. Nur so ist gewährleistet, dass alle Abhängigkeiten in der Planungsphase richtig erkannt und berücksichtigt werden können.